Ich hatte viel Glück. Und ein sehr gutes Umfeld. Mein Leben hat sich einerseits verändert, andererseits ist vieles beim Alten. Es geht mir gut.

 

Krankheit und Behandlung

Der 18. März 2014 markierte einen deutlichen Einschnitt in meinem bisherigen Leben. Die Tage davor waren zwar auch schon geprägt von medizinischen Themen, aber dieser Tag war der Tag der Diagnose. Nach Ultraschall und chirurgischer Entnahme eines Halslymphknoten am Vortag war es um die Mittagszeit dieses Tages soweit: Ich erhielt die Information, es ist Morbus Hodgkin, also Lymphdrüsenkrebs. Das onkologische Erstgespräch am selben Abend machte mir deutlich, dass die Planung für die nächsten Monate sich radikal ändern sollte.

Statt mein neus Projekt im Büro weiterzuführen, war eine sehr kurzfristige Übergabe nötig, bereits binnen weniger Tage sollte es mit der Chemotherapie losgehen, auch dazwischen war die Zeit mit weiteren diagnostischen Schritten gefüllt, um das Stadium der Erkrankung zu bestimmen. Ein PET-Scan und eine Knochenmarkpunktion binnen weniger Tage gaben rasch Aufschluss über die notwendigen Maßnahmen und am 28. März begann die Phase der Chemotherapie, die ich erfolgreich nach 15 Wochen mit 15. Juli hinter mich gebracht hatte - Status: Remission.

Nach der Behandlung - Leben in Remission

Mittlerweile bin ich seit fünfeinhalb Monaten wieder vollständig zurück im Beruf und bin ein zufriedener und erfolgreicher Projektmanager. Der Unterschied zu früher: die Überstunden bleiben durchschnittlich betrachtet aus. Schlaf ist nicht disponierbar, und es ist Zeit für die nötigen psychotherapeutischen und körperlichen Folgeaktivitäten. Über die Woche gerechnet komme ich dennoch auf die Vollzeit-Leistung, und schaffe es auch, inhaltlich, die entsprechenden Ergebnisse zu bringen.

Im persönlichen bin ich sehr froh über meine geduldige Freundin, die mich die ganze Zeit über unterstützt hat, wo es ihr möglich war.  Wo ich Hilfe gebraucht habe, war sie da, auch wenn ich nicht immer gleich artikulieren konnte, was ich brauchte - auch wenn die Hilfe manchesmal einfach darin bestand, Geduld mit mir zu haben. Jener Teil der Familie, der mit mir guten Kontakt hält, hat mich ebenfalls unterstützt, sei es durch Reden und Zuhören, sei es durch Begleitung ins Krankenhaus zur Unterstützung, durch Besuche und durch die Anteilnahme. Ebenso waren gute Freunde für mich da, besuchten mich und unterstützten mich.

Beruflich war es eine gute Entscheidung, mit Beginn der Chemotherapie komplett auszusteigen und mich von jeglichem Druck aus dieser Richtung zu befreien. Das ermöglichte ein Fokussieren auf das wichtigste Ziel: Gesund werden. Sinnstiftend blieb meine freiwillige Aktivität beim PMI Austria Chapter. Ich konnte dort ohne Zeitdruck, ohne Verpflichtung immer dann etwas sinnvolles Beitragen, wenn mein Zustand mir eine Stunde Kapazität schenkte, und mir danach war, mich entsprechend einzubringen. Die Ergebnisse dieser Zeit halfen mir, das Vertrauen darin zu behalten, weiter etwas geben zu können, und nicht völlig der Krankheit und ihrer Behandlung ausgeliefert zu sein.

Rückkehr in die Arbeit

Nach Ende der Reha und des anschließenden Urlaubs war ich sehr schnell wieder im Büro zurück. Ich musste in den ersten Wochen lernen, mit den Konsequenzen der Behandlung umzugehen. Meine Leistungsfähigkeit war zwar grundsätzlich vorhanden, aber die Reserven waren noch nicht wieder aufgefüllt. Nach einem normalen Arbeitstag war ich schon sehr ermüdet, und dank der Flexibilität meines beruflichen Umfelds war es möglich, mit dieser Situation konstruktiv umzugehen. Punktuelles Arbeiten von Daheim an Tagen, an denen die Müdigkeit stark war, verbunden mit moderner Kommunikationstechnologie erlaubte es mir, meinen Beitrag auch an den schwächeren Tagen zu leisten.

Fast schon erschreckend war für mich zu erkennen, wie bereits wenige Wochen nach dem Wiedereinstieg von mir selbst die Erwartung vorhanden war, wieder so leistungsfähig zu sein, wie vorher. Die Selbstverständlichkeit schlich sich in den Gedanken viel zu schnell wieder ein - und es ist bis heute konsequente Arbeit, mir zuzugestehen, dass sich Dinge verändert haben, und ich jetzt mehr auf mich selbst achten muss. Die Ergebnisse stimmen bei der Arbeit, der Weg dorthin passiert heute sicher bewusster als früher.

Leben und Lebensstil

Das konsequente Beibehalten der Psychotherapie - sie begleitet mich bis heute - hilft mir, das letzte Jahr aufzuarbeiten. Immer noch spüre ich die Ängste und Sorgen vor den Kontrollterminen. Körperliches Unwohlbefinden macht mich nervöser als früher. Langsam reduziert sich die Intensität, aber der Weg der Verarbeitung ist erst begonnen.

Körperlich bin ich mittlerweile wieder fit genug, um den Alltag gut zu meistern. Das seit der Reha konsequent durchgehaltene Sportprogramm von zwei bis drei Mal die Woche hat einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet. Dadurch habe ich ein Niveau des Wohlbefindens wieder erreicht, das vor der Erkrankung auch nicht immer möglich war. Ab und zu erfordert es schon einiges an Disziplin und Konsequenz, dabei zu bleiben, aber die Resultate sprechen für sich. Mit dem langsam beginnenden Frühjahr kann ich das Ausdauertraining auch wieder durch Radfahren in die Arbeit abdecken. Fit genug dafür bin ich mittlerweile glücklicherweise. Die knapp 12 Kilometer lassen sich in 45 bis 60 Minuten bewältigen, auch auf den Steigungen schaffe ich es großteils, im empfohlenen Pulsbereich zu bleiben.

Bei der Ernährung habe ich ebenfalls zu einem gesünderen Weg gefunden. Den Fleischkonsum habe ich etwas reduziert. War Fleisch früher täglich Bestandteil der Ernährung, gibt es nun zumindest ein bis zwei fleischfreie Tage pro Woche. Beim Einkaufen achte ich bewusster auf die Inhaltsttoffe, und das (sicher noch reduzierbare) Naschen passiert bewusster als früher. 

Ausblick

Ich gehe den eingeschlagenen Weg konstruktiv weiter. Die Überstunden habe ich gegen körperliche Ertüchtigung und angemessene Erholung eingetauscht. Das werde ich mir beibehalten, getreu dem Motto "Work smarter, not harder". Die Ergebnisqualität spricht für sich, und ich freue mich, Teil eines Teams zu sein, das Spaß an der Arbeit hat und tolle Ergebnisse liefert.

Die weitergeführte Psychotherapie wird mir helfen, emotional die Krankheit und ihre Folgen zu verarbeiten. Bei den Menschen, die mich umgeben, hat sich gezeigt, wer auch in schwierigen Zeiten zu mir steht. Ich habe dazugelernt, welche Kontakte ihren besonderen Wert haben. Das Sportprogramm bleibt aufrecht, körperlich achte ich weiter darauf, eine gute Balance zu finden.

Die weiteren Kontrollen bleiben hoffentlich genauso unauffällig wie bisher. Und ich werde hier weiter meine Erfahrungen zusammenfassen und beschreiben.