Auf meinem Weg zurück in die Arbeit und in den Alltag war die onkologische Rehabilitation eine wichtige und wertvolle Unterstützung. Drei Wochen im Sonnberghof haben mir geholfen, einen Anfang im Wiederaufbau meiner Leistungsfähigkeit zu setzen und das Vertrauen in mich selbst und meinen Körper wiederzufinden.

Der Sonnberghof in Bad Sauerbrunn

Mit dem Flair eines Viersternehotels lädt der Sonnberghof ein, sich wohlzufühlen. Schon der großzügige Eingangsbereich und das freundlich gestaltete Äußere geben einen Vorgeschmack auf die angenehme Atmosphäre, die mich beim Aufenthalt begleitet hat. Vom Status der Sonderkrankenanstalt ist von Außen nichts zu spüren, und auch im Inneren fühlt man sich wohl und mehr wie in einem Hotel. Angeschlossen an das Gesundheitszentrum sind vielfältige Einrichtungen zur Behandlung unter einem Dach. Auch der Thermenbereich lässt sich im Bademantel vom Zimmer aus erreichen.

Auch das Umfeld ist sehr attraktiv. Wenige Gehminuten vom Sonnberghof entfernt befindet sich das Ortszentrum. Neben Hotelrestaurant, Konditorei und im Sommer auch Eisgeschäft verlockt vor allem das Rosarium zum Flanieren und Entspannen. Bei Schönwetter ist es sehr nett, hier zu spazieren, die Blütenpracht zu bewundern oder einfach auf einer der Bänke etwas Pause zu machen und die gute Luft zu genießen. Auch die Apotheke und ein Supermarkt sind nicht weit von hier, so dass sich Dinge des täglichen Bedarfs leicht in einer Behandlungspause beschaffen lassen.

Sucht man Ruhe und die angenehme Stimmung des Waldes, so befindet sich unmittelbar hinter dem Sonnberghof üppig Gelegenheit zum Spazieren. Auf verschiedenen Wegen lässt sich die Umgebung erkunden. Ein wenig bergauf durch die hügelige Waldlandschaft gelegen befindet sich die Aussichtswarte. Über hundert Stufen wollen gemeistert sein, bis man um den alten Baumstamm herum auf der Aussichtsplattform angelangt ist. Für den Aufwand wird man mit einer wundervollen Aussicht belohnt.

Ganz besonders wertvoll macht den Sonnberghof die Vielzahl an freundlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in allen Bereichen. Das beginnt schon bei den Reinigungskräften, die für saubere und freundliche Zimmer sorgen, setzt sich über das gesamte Personal im therapeutischen und medizinischen Bereich fort, bis hin zur Leitung des Hauses.

An- und Abreise

Die An- und Abreise lässt sich sowohl individuell mit dem Auto, als auch per Bahn organisieren. Bad Sauerbrunn liegt an der Bahnstrecke zwischen Wiener Neustadt und Sopron. Zumindest stündlich gibt es hier tagsüber einen Zug pro Richtung.

Am 30. Juli 2014, zwei Wochen nach Ende meines letzten Chemozyklus, begann mein Aufenthalt im Sonnberghof. Trotz Gepäck für drei Wochen entschied ich mich für die Anreise mit der Bahn. Von Floridsdorf kommend war nur einmaliges Umsteigen in Wiener Neustadt erforderlich und die gesamte Anreisezeit lag unter zwei Stunden. Bis Wiener Neustadt konnte ich barrierefrei und bequem in einer Doppelstock-Cityshuttle-Garnitur der ÖBB anreisen. Dort angekommen hatte ich gute 15 Minuten Zeit, in den hochflurigen Dieseltriebwagen umzusteigen, der mich die letzten drei Stationen bis Bad Sauerbrunn brachte. Hier musste das Gepäck über die Stufen, was sich aber bereits machen ließ, vor allem da genügend Zeit für das Umsteigen vorhanden war.

Vom Bahnhof zum Sonnberghof sind es nur wenige Schritte. Verlässt man den Bahnhof und überquert man die davor verlaufende Hartiggasse, so steht man bereits direkt vor dem Sonnberghof. Die freundlichen Damen an der Rezeption wickeln rasch und hilfreich das Einchecken ab. Sollte das Zimmer noch nicht bereit sein, kann das Gepäck im Gepäckraum eingeschlossen werden, und einem gemütlichen Mittagessen im Restaurant steht nichts mehr im Wege. Im Restaurant lernt man, reist man alleine an, bereits "seinen" Platz bei Tisch kennen, an dem man den restlichen Aufenthalt Frühstück, Mittagessen und Abendessen in Gesellschaft der anderen Rehagäste verbringen wird.

Zum Fixprogramm des ersten Tages gehört nach Bezug des Zimmers am frühen Nachmittag die Visite durch einen Arzt und eine Schwester direkt am Zimmer, sowie eine Einführung in die Gegebenheiten des Sonnberghofs. Auch eine erste Einführung durch das psychologische Team steht bereits am Programm.

Für die Rückreise entschied ich mich auch für die Variante mit der Bahn, die Nähe zum Sonnberghof und die gute Anbindung in Richtung Floridsdorf waren auch hier wieder die entscheidenden Kriterien.

Unterbringung - Das Zimmer

Die Zimmer im Sonnberghof sind sehr großzügig gestaltet. Auch hier macht sich eher gehobene Hotelatmosphäre bemerkbar und man würde kaum vermuten, dass man sich in einer Reha-Sonderkrankenanstalt befindet. Beruhigend, und einen Unterschied zum Hotel bildend, sind die Notrufeinrichtungen und der behindertengerechte Duschbereich. Im Nassbereich und im Zimmer befinden sich Notruftaster, mit denen im Ernstfall sofort ein Arzt oder eine Schwester gerufen werden kann. Glücklicherweise musste ich von dieser Einrichtung nie Gebrauch machen. Dennoch war es sehr beruhigend zu wissen, dass die Möglichkeit besteht.

Sehr angenehm ist auch die Tatsache, dass alle Zimmer als Doppelzimmer ausgelegt sind, allerdings nur einzeln belegt werden. Hintergrund dafür ist, dass eine eventuelle Begleitperson für die pflegerische oder emotionale Unterstützung untergebracht werden kann. Auch familiäre Besuche können somit problemlos übernachten. Für einen verhältnismäßig moderaten Preis kann das Zusatzbett inklusive Vollpension an der Rezeption gebucht werden. Mich hat meine Freundin besucht, und konnte somit dem gleichen Zimmer nächtigen. Das Bett wurde hierfür so zusammengeschoben, dass ein Doppelbett entstanden ist.

Gegenüber vom Bett gelegen ist der Sitzbereich. Beim Schreibtisch befinden sich Steckdosen sowie ein Netzwerkanschluss, über welchen ein an der Rezeption recht günstig erwerbbarer Internetzugang genutzt werden kann. Der Tisch bietet auch genug Platz, um mit Besuchern hier Gesellschaftsspiele zu spielen oder entspannt zu lesen oder zu schreiben. Ein gemütlicher Lehnsessel mit Fußhocker lädt zum Schlummern oder gemütlichen Fernsehen ein. Ebenfalls sehr angenehm ist der großzügige Balkon. Mit Tisch und zwei Sesseln lässt es sich hier ebenfalls gemütlich draußen entspannen. Auf den Wäschestangen kann in der warmen Jahreszeit bei trockenem Wetter die Badekleidung getrocknet werden. Ein bereitstehender Sonnenschirm schützt vor zu viel direkter Sonne und macht den Balkon zu jeder Zeit zu einem angenehmen Ort.

Der Kasten bietet Platz genug für die Kleidung für drei Wochen in verschiedenen Ablagen und Fächern. Der eingebaute Zimmersafe Auch Ablagen für Koffer und Reisetaschen sind vorgesehen. Die Bettkonstruktion lässt eine Einrichtung als Einzelbett, zwei nebeneinander gelegenen Betten oder als Doppelbett zu. Eine Seite ist mit einem elektrisch verstellbaren Lattenrost ausgestattet. Dieser erlaubt eine sehr angenehme Liegeposition. An Decke und Polster mangelt es auch nicht. Wie immer habe ich ein wenig Zeit gebraucht, um mich an die leicht veränderten Schlafbedingungen zu gewöhnen, habe dann aber ausgezeichnet geschlafen.

Das Ziel der onkologischen Reha

In meinem Fall war das Ziel der onkologischen Reha die Wiederherstellung und Verbesserung der beruflichen Leistungsfähigkeit. Generell zielt die onkologische Rehabilitation darauf ab, nachhaltig den gesundheitlichen Zustand so zu verbessern, dass die Eigenständigkeit und Leistungsfähigkeit der betroffenen Person verbessert wird. Das kann bedeuten, die berufliche Leistungsfähigkeit wieder zu normalisieren oder auf ein besseres Maß zu bringen, aber auch, den Pflegebedarf zu senken oder die Selbstständigkeit zu verbessern.

In meinem konkreten Fall galt es, sowohl körperlich die Leistungsfähigkeit wieder zu verbessern, als auch psychisch und emotional die Sicherheit und das Vertrauen in die eigene Gesundheit wiederherzustellen. Mein persönliches Ziel war es körperlich nach der Reha kurze und mittlere Strecken auch im Alltag wieder mit dem Fahrrad erledigen zu können und die verbliebenen Nebenwirkungen wie z.B. die Polyneuropathie zu mildern oder sogar ganz wegzubekommen. Emotional und psychisch standen einerseits Entspannungstechniken zur Verbesserung der angeschlagenen Schlafqualität auf der Liste der Ziele, andererseits galt es auch die Sicherheit wieder zu gewinnen, sich ohne Ansteckung in einer größeren Menge von Menschen bewegen zu können.

Ablauf - Behandlungen

Am Nachmittag des Anreisetages findet die erste Visite direkt am Zimmer statt. Dabei erfolgen das Erstgespräch mit einem Arzt sowie die pflegerische Aufnahme durch die Schwestern. Im Anschluss daran findet eine Einführung in die Einrichtungen des Sonnberghofs statt. Den Abschluss des ersten Tages bildet die psychologische Einführung.

Am zweiten Tag findet die erste von drei ärztlichen Untersuchungen statt. Dabei werden auf Basis eines ärztlichen Gespräches und der Vorbefunde sowie der Reha-Ziele die wesentlichen Parameter des Therapieplans ermittelt. In meinem Fall entstand ein sehr vielfältiger Therapieplan.

Für die körperlichen Ziele fanden sich Ausdauertraining, Training auf der Matte, Physiotherapie, Krafttraining und Unterwassergymnastik im Angebot. Zur Bearbeitung der Polyneuropathie erhielt ich galvanische Zellenbäder und Ergotherapie. Der psychotherapeutische Bereich wurde durch Einzelgespräche sowie durch Entspannungstechniken in der Gruppe abgedeckt. Darüber hinaus bestand das Programm noch aus verpflichtenden Vorträgen zum Thema Ernährung, Grundlagen der Krebserkrankung sowie Rehabilitationsberatung.

Dieses umfangreiche Programm sorgte für terminlich gut gefüllte Tage. Die Therapien verteilten sich von Montag bis Freitag über den ganzen Tag, am Samstag endeten sie spätestens am frühen Nachmittag. Der Sonntag war Therapie frei und eignete sich hervorragend zum Entspannen oder zum Empfang von Besuchern.

Der große Nutzen

Für mich persönlich war die onkologische Rehabilitation ein großer Erfolg. Körperlich legte sie den Grundstein für das Wiedergewinnen der Fitness. Geistig konnte ich Sicherheit und Vertrauen in meine Fähigkeit, alltägliches und dem Beruf auszuüben, zurückgewinnen.

Zwar war durch das noch nicht so lange zurückliegende Ende der Chemotherapie noch immer ein deutlicher Knick bei der Leistungsfähigkeit spürbar, aber der Grundstein war gelegt, und ich konnte aus eigener Kraft mit den Empfehlungen von der Reha an meinem Aufbau weiter arbeiten. Dazu gehörte einerseits das Weiterführen der bereits mit der Diagnose begonnenen Psychotherapie, andererseits der Start eines konsequenten Sportprogramms. Je nach persönlicher Verfassung bedeutet das, ein bis drei Mal die Woche Kraft und Ausdauer weiter zu trainieren, im Rahmen der Empfehlungen aus der Leistungsdiagnostik während der Reha.

Auch in Bezug auf das soziale Umfeld ist eine Reha-Aufenthalt im Sonnberghof ein einzigartiges Erlebnis. Hier besteht die Möglichkeit, mit anderen in Kontakt zu treten, die ein zumindest ähnliches Schicksal hinter sich haben, und sich auch bereits mit Diagnose und Behandlung einer Krebserkrankung auseinandersetzen mussten. Wichtig ist hierbei das Prinzip der Freiwilligkeit: die Krankheit zum Thema zu machen ist in Ordnung, solange der Gesprächspartner dass ebenfalls möchte. Besonders beim Essen am Tisch gilt daher auch, dass auf Wunsch die Krankheit kein Thema ist.

Sechs Monate nach der Erstdiagnostik im Sonnberghof wiederholte ich den Test und es zeigten sich deutliche Fortschritte in der körperlichen Fitness. Auch das persönliche Allgemeinbefinden hat sich deutlich verbessert. Das Sportprogramm und eine bewusstere Ernährung dauern bis heute an und sorgen für ein deutlich verbessertes Wohlbefinden.