Neben der Bewältigung der Erkrankung und der nötigen Energie, um rasch wieder zu genesen, sind auch in dieser Phase des Lebens einige administrative Dinge zu erledigen. Manche davon sind einfach notwendig, um die bestmögliche Unterstützung bei der medizinischen Behandlung zu erhalten. Andere sind erforderlich, um eine grundlegende finanzielle Versorgung sicherzustellen. In diesem Artikel gebe ich einen Überblick, mit welchen administrativen Themen ich mich während und nach der Behandlungsphase befasst habe.

Krankenstand

Die Tatsache, dass die intensive Chemotherapie einerseits stationäre Aufenthalte im Krankenhaus erfordert, und andererseits den Körper so schwächt, dass die meisten Berufe in diesem Zustand nicht mehr ausübbar sind, führt für unselbständig erwerbstätige Menschen wie mich unweigerlich zu Krankenstand. Dies beginnt üblicherweise mit der Krankschreibung beim Hausarzt, falls bereits die Untersuchungen in der diagnostischen Phase einzelne Tage der Arbeitsunfähigkeit bedingen. Spätestens aber mit dem ersten stationären Zyklus der Chemotherapie beginnt formal der Krankenstand. Bei mir war letzteres der Fall, und mein erster Krankenstandtag begann mit der Aufnahme im Krankenhaus zur Chemotherapie. Am Arbeitstag nach der Entlassung spätestens ist eine Krankmeldung beim Hausarzt nötig. Dieser beginnt den Krankenstand mit dem ersten Kalendertag nach der Entlassung aus dem Krankenhaus. Üblicherweise setzt sich der Krankenstand über die gesamte Behandlung fort. Kommt es im Zuge der Behandlung zu weiteren stationären Aufnahmen, so endet der Krankenstand beim Hausarzt mit dem Kalendertag vor der stationären Aufnahme, und beginnt wieder mit dem Kalendertag nach der Entlassung. Durch die passende Erfassung beim Hausarzt erscheint die Abwesenheit beim Krankenversicherungsträger, in meinem Fall der Wiener Gebietskrankenkasse, als Abwesenheit in einem Stück.

Krankengeld

Unmittelbar mit der Tatsache des Krankenstandes verbunden ist das Thema der Entgeltfortzahlung bzw. des Krankengeldes. Zumindest die ersten sechs Wochentag auf jeden Fall der Arbeitgeber das bisherige laufende Grundgehalt fort. In größeren Unternehmen kann es auch Regelungen geben, die zu einer längeren Fortzahlung führen. Diese sind dann entweder im Kollektivvertrag oder in einer Betriebsvereinbarung geregelt. Üblicherweise schließt an dieser Phase der Entgeltfortzahlung eine teilweise Entgeltfortzahlung an. Hier erhält man noch die Hälfte des Gehalts, und die zweite Hälfte wird bereits von der Krankenkasse in Form des Krankengeldes übernommen. Das Krankengeld ist in der Regel niedriger als der normale Bezug, man muss also mit gewissen finanziellen Einbußen für die Dauer des Krankenstandes rechnen. In den meisten Fällen endet auch diese gemeinsame Auszahlungsphase irgendwann, und dann bezieht man nur noch Krankengeld bei der Krankenkasse. Den Bezug des Krankengeldes bei der Krankenkasse musste ich beantragen. Dies kann entweder schriftlich per Post oder durch persönliches Vorsprechen bei der Bezirksstelle geschehen. Der richtige Zeitpunkt dafür ist vier Wochen nach Beginn des Anspruchs auf Krankengeld. Die Krankenkasse zahlt jeweils die letzten vier Wochen im Nachhinein aus. Wichtig ist, eine aktuell bestätigte Krankmeldung vom Hausarzt zu haben. Sonst zahlt die Kasse nur bis zum letzten Tag der Kontrolle. Alternativ kann es auch zu einer kontrollärztlichen Untersuchung direkt bei der Kasse kommen. Informationen zu diesem Thema befinden sich auch auf der Website der Sozialversicherung. Es lohnt sich auf jeden Fall, Kontakt mit der Personalabteilung aufzunehmen, und zeitgerecht die Rahmenbedingungen für die Entgeltfortzahlung abzuklären.

Bewilligungen bei der Krankenkasse

Manche Untersuchungen oder Medikamente benötigen eine chefärztliche Bewilligung. Das wird üblicherweise vom Arzt bei der Verschreibung erwähnt. In meinem Fall waren das die außerhalb des Krankenhauses durchgeführten Computertomografien sowie die Rezepte für die Zytostatika. Die Bewilligung wird eingeholt, indem man mit der Überweisung oder dem Rezept zu einer Außenstelle der Krankenkasse geht. Im Donauspital gibt es beispielsweise direkt eine Außenstelle, in der solche Bewilligungen durchgeführt werden. Es lohnt sich, diese Bewilligung zeitnah einzuholen, denn erst mit dem Stempel der Bewilligung ist gesichert, dass die Kostenübernahme für Medikamente oder Behandlung durch die Krankenkasse erfolgt. Der Vorgang selbst ist meist unkompliziert und besteht darin, die Überweisung bei der Außenstelle vorzulegen. Dies kann auch ein Angehöriger erledigen.

Begünstigte Behinderung

Da viele Krebserkrankungen eine länger dauernde Beeinträchtigung darstellen, kann es sein, dass dadurch zumindest vorübergehend eine sogenannte begünstigte Behinderung gegeben ist. Ob dies der Fall ist, kann mittels Antrag beim Sozialministeriumservice ermittelt werden. Informationen dazu finden sich auch auf der Website des Sozialministeriumservice. Der Antrag wird schriftlich bei der zuständigen Landesstelle eingebracht. Er enthält Kopien eines Identitätsnachweises, bestehend aus Geburtsurkunde, Lichtbildausweis und Staatsbürgerschaftsnachweis, Kopien aller als relevant erachteten Befunde, sowie das Antragsformular. Je nach Befundlage kann es nach der Antragstellung zur Einladung zur amtsärztlichen Untersuchung kommen. In meinem Fall ist das nicht passiert. Ich bekam etwa acht Wochen nach Antragstellung den Bescheid über die begünstigte Behinderung. Solange ein Behinderungsgrad von mehr als 50 % gegeben ist, besteht ein erweiterter Kündigungsschutz. In manchen Kollektivverträgen steht darüber hinaus mehr Urlaub zu. Bereits ab 25 % gelten steuerliche Vergünstigungen Einzelheiten sind auf der Website des Sozialministeriumservice zu finden. Es kann zwar eine emotionale Überwindung bedeuten, sich selbst als „behindert“ zu betrachten, die Feststellung ändert aber nichts an den Tatsachen. Es sorgt dafür, dass man seine gesetzlich zustehenden Rechte auch in Anspruch nehmen kann. Insbesondere die steuerlichen Vorteile können die finanziellen Konsequenzen der Krankheit ein wenig mildern. Liegt der positive Bescheid vor, so kann ein Behindertenpass beantragt werden. Manche kulturelle Einrichtungen gewähren gegen Vorlage des Passes Ermäßigungen.

Antrag auf onkologische Reha

Seit 2012 besteht die Möglichkeit, nach erfolgreicher Behandlung, oder wenn es dem Behandlungsfortschritt zuträglich ist, onkologische Rehabilitation zu erhalten. Der Antrag kann beim Krankenversicherungsträger oder bei der Pensionsversicherung gestellt werden. Das hängt von den jeweiligen beruflichen Umständen und von der Erkrankung ab. In meinem Fall war die zuständige Stelle die Pensionsversicherungsanstalt. Es beschleunigt die Bearbeitung, den Antrag gleich bei der richtigen Stelle einzubringen. Grundsätzlich wird der Antrag bearbeitet, egal wo er eingebracht wurde, allerdings dauert es länger, wenn er weitergeleitet werden muss. Das Antragsformular wird einerseits von einem behandelnden Arzt ausgefüllt, welcher die Rehabilitationsempfehlung und eine Begründung abgibt. Andererseits füllt man auch als Patient einen weiteren Teil des Antragsformulars aus. Ebenso werden die entsprechenden Befunde beigelegt. Ich konnte meinen Antrag bei der Wiener Landesstelle der Pensionsversicherungsanstalt sogar per E-Mail einbringen. Es lohnt sich, bei der zuständigen Stelle vorher anzurufen, und den besten Weg für die Antragstellung zu erfragen. Ich habe dabei sehr gute Erfahrungen gemacht und alle Personen waren sehr freundlich zu mir und auch sehr kompetent. Die Bearbeitung des Antrages dauert üblicherweise zwischen vier und zehn Wochen. Es lohnt sich also, in bereits während der Chemotherapie bzw. Behandlung einzubringen, besonders wenn ein voraussichtliches Ende bereits absehbar ist. Wird der Antrag positiv entschieden, so erfolgt einerseits die Mitteilung durch die zuständige Stelle, andererseits meldet sich auch die entsprechende Reha-Einrichtung mit einer Einladung zu einem konkreten Termin. Es gibt bereits mehrere Stellen in Österreich, an denen onkologische Reha durchgeführt werden kann. Ich habe meine onkologische Rehabilitation im Sonnberghof in Bad Sauerbrunn bekommen. Die Reha dauert drei Wochen. Nähere Details zu onkologischen Rehabilitation werde ich in einem eigenen Eintrag beschreiben.