Von 28. März 2014 bis 14. Juli 2014 wurde ich mit einer Chemotherapie behandelt. Die Chemotherapie besteht in der Verabreichung von einer Mischung verschiedener Medikamente, darunter sogenannte Zytostatika. Das Ziel einer Chemotherapie ist, die unerwünschten Zellen durch die Mischung aus verschiedenen Richtungen "anzugreifen" und so am weiteren Wachstum zu hindern und die bestehenden Zellen auszuschalten. Die Chemotherapie wird in sogenannten Zyklen verabreicht. Jeder Zyklus besteht aus einer oder mehreren Gaben der Medikamente und dauert eine definierte Durchlaufzeit. Meine Chemotherapie bestand aus vier Zyklen.

Die Protokolle

Chemotherapien sind etwas sehr individuelles. Je nach Art der Erkrankung und Stadium kommt ein dafür zugeschnittenes Protokoll zum Einsatz. Dieses beschreibt die einzusetzenden Medikamente, die Zeitpunkte der Gaben, sowie die Formel für die Dosierung. Somit ergibt sich aus der Anwendung des Protokolls auf den Patienten die individuell zu verabreichende Chemotherapie.

In meinem Fall kamen zwei verschiedene Protokolle zum Einsatz. Für die ersten beiden Zyklen war das Protokoll "BEACOPP eskaliert", für Zyklus drei und vier war es "ABVD". Jeder Großbuchstabe im Protokoll steht dabei für eine Substanz der Chemotherapie.

Während der Chemotherapie fanden laufend Kontrollen des Blutbildes statt. Zumindest einmal die Woche wurde ein Blutbild erstellt, während der stationären Aufenthalte üblicherweise sogar täglich.

Ein Zyklus "BEACOPP eskaliert" dauerte drei Wochen und begann in meinem Fall mit stationärer Aufnahme. Die Medikation bestand sowohl aus intravenös via Venflon verabreichten Substanzen, als auch oral in Tablettenform verabreichten Medikamenten. Am ersten Tag des Zyklus dauerte die IV-Gabe mehrere Stunden und bestand aus mehreren Medikamenten intravenös. Ein Großteil davon war die Chemotherapie im eigentlichen Sinne, einiges aber auch begleitende Medikation, um die Nebenwirkungen zu begrenzen oder zu verhindern. Begleitend wurden unter anderem Antiemetika gegen das Erbrechen sowie Magenschutz verabreicht. Im ersten Zyklus kam es bei der dritten Gabe von Etoposid einmal zu einer Flush-Reaktion, die durch ein intravenös verabreichtes Antihistaminikum schnell wieder im Griff war. Die später fortgesetzte Gabe verlief komplikationslos. Nach dem zumindest drei, beim ersten Zyklus vier Tage dauernden Aufenthalt, wobei in jedem Fall an den ersten drei Tagen die intravenösen Gaben erfolgten, konnte ich nach Hause entlassen werden. Bis zum Tag acht erfolgte die Medikamentengabe nur oral in Tablettenform. Drei mal täglich war dabei eine Reihe verschiedener Tabletten zu nehmen. Am Tag acht des Zyklus erfolgte eine ambulante intravenöse Gabe. Im zweiten Zyklus wurde diese Gabe bedingt durch ein noch nicht geeignetes Blutbild nach hinten verschoben, was den Behandlungsverlauf insgesamt nicht weiter beeinflusste.

Der dritte und vierte Zyklus wurde nach dem Protokoll "ABVD" durchgeführt. In diesem Protokoll dauert ein Zyklus vier Wochen. Die Gabe der Chemotherapie erfolgt innerhalb des Zyklus an den Tagen 1 und 15 ambulant intravenös. Die Tabletten dazwischen dienten nur der Vermeidung oder Linderung von Nebenwirkungen.

Ambulante Termine

Ambulante Termine für die Chemotherapie begannen üblicherweise am Morgen gegen 8 Uhr in der 2. Medizinischen Ambulanz des Donauspitals. Nach der Anmeldung erfolgte eine Blutabnahme, für die es nicht erforderlich war, nüchtern zu sein. Dabei wurde bei geplanter Chemotherapie auch ein Venflon gesetzt. Danach galt es, etwa zwei Stunden auf das Ergebnis zu warten, was sich für ein erstes oder zweites Frühstück im Cafe des Krankenhauses anbot. Danach kam das ärztliche Gespräch mit der Entscheidung darüber, ob die Chemotherapie am selben Tag stattfinden konnte oder eine Verschiebung notwendig war.

Wenn das Blutbild nicht entsprach oder eine Infektion vorlag, dann kam es auch in meinem Fall zur Verschiebung der Chemotherapie.

Konnte die Chemotherapie verabreicht werden, so kam ich in den internen Bereich der Ambulanz, wo ich bequem Platz nehmen konnte, um die Chemotherapie zu erhalten. Nach der Chemotherapie konnte ich heimgehen, wobei ich mich dafür entweder abholen ließ, oder ein Taxi nahm. Selbst zu fahren erschien mir in der Situation nicht empfehlenswert.

Wirkungsweise

Die wesentlichen Substanzen der Chemotherapie sind sogenannte Zytostatika. Diese hindern die schnell wachsenden Zellen an der Teilung, wodurch sich diese nicht mehr vermehren können und mit der Zeit auch absterben. Krebszellen gehören üblicherweise zur Kategorie der schnell wachsenden Zellen, weshalb die Chemotherapie hier wirkt.

Leider betrifft der Effekt auch körpereigene gesunde Zellen, wie zum Beispiel die Haare oder die Darmschleimhaut. Das führt dann zu den entsprechenden Nebenwirkungen.

Leben während Chemotherapie

Durch die Nebenwirkungen der Chemotherapie kam es zu einigen Einschränkungen. Die Müdigkeit war deutlich ausgeprägter, an vielen Tagen hatte ich nur sehr eingeschränkt Energie. Die erhöhte Infektanfälligkeit machte es erforderlich, Ansammlungen von Menschen zu vermeiden. Dadurch war ein Benutzen von öffentlichen Verkehrsmitteln phasenweise nicht möglich. Bei Besuchern stand Händewaschen immer als erstes am Programm, und diese durften nur zu mir, wenn sie selbst gesund waren.

Spaziergänge waren an manchen Tagen möglich. Zu Zeiten angegriffenen Immunsystems trug ich dabei eine Maske um die Infektionsgefahr zu minimieren. Für sportliche Aktivitäten fühlte ich mich während der Chemotherapie nicht in der Lage. Generell waren Ausdauer und Leistungsfähigkeit stark eingeschränkt. Öfters kam es vor, dass ich mehrere Tage die Wohnung nicht verließ, diese war für mich neben dem Krankenhaus der sicherste Ort.

Generell war mein Radius sehr eingeschränkt. Am Tiefpunkt der Leistungsfähigkeit war ich nach 2 Kilomentern Spaziergang schon sehr müde und benötigte Schlaf. In der leichteren Chemotherapie im Protokoll "ABVD" waren dann an guten Tagen schon längere Strecken möglich. Radfahren war für mich so schnell anstrengend, dass es nicht in Frage kam.

Zu den Details der Nebenwirkungen folgt ein separater Artikel.